Die Entwicklung ökologischer Autos
9. Juni 2025 – Zeitung im Gymnasium
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Etwa jede zweite Person in der Schweiz besitzt ein Auto. Elektrisch, Hybrid, Benzin: Es gibt verschiedene Antriebe, und diese werden sich in der Zukunft noch verändern. Aber wie?
Drei von vier Haushalten in der Schweiz besitzen ein Auto, im Schnitt gibt es 536 Fahrzeuge pro 1000 Menschen, im Kanton Freiburg sind es im Verhältnis etwas mehr.
Markus Julmy, Inhaber einer Garage in Schmitten, geht davon aus, dass Verbrennerautos in den nächsten Jahren nicht vollständig verschwinden werden. Gemäss einem Entscheid der Mitgliedstaaten und des Parlaments der EU wird ihre Herstellung und der Verkauf jedoch ab 2035 eingestellt – mit Ausnahme von Gebrauchtwagen, die weiterhin verkauft werden können.
Dieses Gesetz gilt jedoch nur in den Mitgliedstaaten, während nach aktueller Gesetzeslage ausserhalb der EU auch nach 2035 weiterhin Verbrenner produziert werden dürfen. Hätte sich die EU für ein Verkaufsverbot auch von Gebrauchtwagen entschieden, hätten bis 2035 alle Verbrennerautos zerstört werden müssen, unterstreicht Markus Julmy.
Aus Julmys Sicht wäre diese Entscheidung ökologisch problematisch, da die Herstellung von Batterien umweltschädlich sei und überall neue Ladesäulen aufgebaut werden müssten. Zudem seien Menschen benachteiligt, die auf ein Auto angewiesen sind, da sie ihr derzeitiges Fahrzeug abgeben und ein teures Elektroauto erwerben müssten.
Elektroautos sind Chance und Herausforderung
Auf kurzen Strecken sind ohnehin zum Beispiel E-Bikes ökologischer, bei mittleren Entfernungen sind Elektroautos klar im Vorteil. Doch die sogenannte graue Energie – also die Energie, die für Produktion und Entsorgung benötigt wird – sowie die Umweltbelastung bei der Herstellung sind bei Verbrenner- wie auch bei Elektroautos ein wichtiger Faktor, bei Letzteren vor allem für die Batterien.
«Dennoch sind sie über die gesamte Lebensdauer betrachtet deutlich besser für die Umwelt», betont der WWF im Dossier zum Thema. Er schätzt, dass langfristig die CO₂-Emissionen eines E-Fahrzeugs halb so hoch sind wie bei einem Benziner. Ausserdem sind zwar die Batterien sehr schwer, dafür E-Motoren viel leichter als Verbrenner, und es fallen auch viele weitere gewichtige Komponenten wie das Getriebe weg.
Batterien von Elektroautos werden aus Lithium hergestellt, einer «Seltenen Erde». Dieses Material zu extrahieren, ist mit aktueller Technologie umweltschädlich, auch wenn dafür nachhaltige Energieträger verwendet werden. Julmy unterstreicht, dass Elektroingenieure derzeit noch keine Lösungen für die Zerstörung oder das Recycling von alten Batterien gefunden hätten, welche der Umwelt nicht zu sehr schaden würden.
E-Fahrzeuge seien zudem nahezu lautlos und stellten somit eine Gefahr im Strassenverkehr dar. Auch müssten sie häufiger zur Kontrolle, da Probleme – im Gegensatz zu Verbrennern – nicht akustisch wahrnehmbar seien.
Auswirkungen auf die Industrie
Auch in der Automobilbranche bringe der Wandel Veränderungen mit sich, so Julmy. Lernende müssten zusätzliche Kurse absolvieren, da Elektrofahrzeuge spezielle Kenntnisse erforderten, die nicht Teil der klassischen Ausbildung seien. Mit steigender Leistung der Elektroautos sinke zudem der Wartungsaufwand.
Der 18-jährige Luka, der aktuell seine Lehre als Automobilfachmann absolviert, ist von den Alternativen zu Verbrennern nicht begeistert. Obwohl er täglich mit vielen Elektroautos arbeite, seien sie nicht seine Favoriten. Er ziehe klassische Autos mit Verbrennungsmotor vor. Luka träumt davon, in Zukunft einen BMW zu fahren. Auch beruflich sieht er seine Zukunft in der Autobranche. Sein Chef Markus Julmy ist überzeugt, dass er später in dieser Garage arbeiten kann. Für Luka ist eines klar: «Ich möchte auf jeden Fall bei Autos bleiben.»
Neue Technologien helfen
Laut Julmy gebe es neue Technologien, die in der Automobilbranche eingesetzt werden könnten: So werde zum Beispiel immer häufiger künstliche Intelligenz (KI) verwendet. Vom Design bis zum automatischen Fahren sei sie hilfreich. So schlage sie beispielsweise Verbesserungen und Änderungen in Bezug auf das Fahrverhalten vor. In der Entwicklung werde sie oft zum Analysieren und zum Verändern des Aussehens eines Autos benutzt.
Gemäss Markus Julmy wird die Produktion von Autos zu circa 75 Prozent maschinell gemacht. Diese Maschinen würden am Anfang von Menschen programmiert, um anschliessend automatisch zu lernen. Für wichtige Messungen korrigiere KI die menschlichen Fehler. Mit dem Handy könne man eine App herunterladen und damit Parameter des Autos kontrollieren. Man könne zum Beispiel das Auto vorheizen und es per App öffnen und schliessen.
Gemäss Julmy müsse es das Ziel sein, dass die Produktion und die Nutzung von Autos in Zukunft kein CO₂ mehr ausstossen. Sein Fazit: «Deshalb können Verbrennerautos aus der heutigen Perspektive nie vollständig durch Elektroautos ersetzt werden.» Das Wichtigste bleibe dennoch: «Wir müssen in der Zukunft dafür sorgen, Personen die Mobilität zu ermöglichen, die sie brauchen», so Markus Julmy.
Eine Alternative, die (noch) keine ist
Als Alternative zu klassischen Verbrennern und zu Elektrofahrzeugen gelten Wasserstoffautos. Ihre Zahl nimmt zu, aber ist noch sehr klein. Auch wegen des schlecht ausgebauten Tankstellennetzes. Aktuell ist die Produktion von Wasserstoff mittels grosser Mengen an Strom aber aufwendig und teuer. «Obwohl bei der Verbrennung von Wasserstoff kein CO₂ emittiert wird, sind sich Experten uneinig, ob Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft infrage kommt», schreibt der WWF. Er könnte aber durchaus eine gute Methode für grosse Fahrzeuge wie Lastwagen, Busse oder Schiffe sein. Aktuell läuft im Kanton Freiburg ein Versuch mit Wasserstoffbussen als Zusammenarbeit von Groupe E und den TPF.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Mit Sonnenstrom aus Solarzellen auf dem Dach betriebene Autos: Die Zellen laden das Auto während der Fahrt. Solarfahrzeuge galten vor einigen Jahrzehnten als Mobilität der Zukunft, aerodynamisch und genügsam. Sie sind jedoch weitgehend aus dem Strassenbild verschwunden, gelten als unproduktiv und wurden nicht mehr weiterentwickelt. Doch der Schmittner Garagist Markus Julmy will sie noch nicht abschreiben. «Sie sollten aber mit einer anderen Methode kombiniert werden, damit das Auto auch bei schlechtem Wetter fahren kann.»